Die Quelle verlassen – und eigene Zisternen gegraben Damals - und heute?

Kurz nachgedacht:

(Der Impuls enthält u.U. Links zum weitergehenden Verständnis.)

Die Quelle verlassen – und eigene Zisternen gegraben

„Denn mein Volk hat eine zweifache Sünde begangen: Mich, die Quelle des lebendigen Wassers, haben sie verlassen, um sich Zisternen zu graben, löchrige Zisternen, die kein Wasser halten!“ (Jeremia 2,13)

Wir befinden uns gegen Ende des 7. Jahrhunderts vor Christus. Der Prophet Jeremia verkündigt Gottes Wort in einer Zeit des geistlichen und politischen Niedergangs.

Zwar hatte der gottesfürchtige König Josia ernsthafte religiöse Reformen eingeleitet, doch die Herzen vieler Menschen blieben Gott fern. Götzendienst, insbesondere die Verehrung Baals und Ascheras, hatte sich ausgebreitet. Statt auf den Herrn zu vertrauen, suchten die Verantwortlichen Sicherheit in politischen Bündnissen und eigener Stärke.

Gott beschreibt diesen Zustand mit einem eindrücklichen Bild: Sein Volk hat die Quelle lebendigen Wassers verlassen und gräbt sich stattdessen eigene Zisternen. Doch diese sind löchrig, können das Wasser nicht halten und bieten niemals die Frische einer lebendigen Quelle.

Was hat das mit uns heute zu tun?

Vor einer Woche feierten wir den Tag der Deutschen Einheit. Ich bin dankbar, dass unser Land nicht mehr durch eine unmenschliche Grenze geteilt ist. Doch gleichzeitig ziehen sich zunehmend andere, unsichtbare und immer häufiger sichtbare Risse durch unsere Gesellschaft.

Nach meiner festen Überzeugung hängt vieles davon mit der fortschreitenden Entfremdung unseres Volkes von Gott zusammen.

Deutschland war einmal ein Land, in dem der christliche Glaube tief verwurzelt war. Von hier ging die Reformation aus. Missionare trugen das Evangelium in alle Welt. Wertvolles christliches Liedgut und bedeutende evangelistische Impulse entstanden.

Und heute? Aus einem christlich geprägten Land wurde zunehmend eine postchristliche Gesellschaft, in der wir mittlerweile sogar offen antichristliche Entwicklungen beobachten können.

Wir haben die Quelle verlassen! Statt Gottes Wahrheit suchen viele Menschen Orientierung in Ideologien, menschlicher Selbstbestimmung und vermeintlichen Sicherheiten. Das geistliche Vakuum bleibt nicht leer. Wo Gottes Wort verdrängt wird, gewinnen andere Stimmen an Einfluss.

Ich bin überzeugt, dass der gesellschaftliche Niedergang auch eine geistliche Dimension hat. Die Parallelen zu Jeremias Zeit sind erschreckend.

Aber Vorsicht! Bevor wir nur auf unsere Gesellschaft zeigen, müssen wir Christen uns selbst fragen: Haben wir die Quelle des lebendigen Wassers wirklich immer vor Augen? Oder graben wir uns nicht manchmal ebenfalls eigene Zisternen?

Worauf setze ich mein Vertrauen? Wo suche ich Sicherheit, Frieden, Freude und Erfüllung? Bei Gott – oder letztlich doch bei meinen eigenen Möglichkeiten?

Eine Quelle verliert ihre Reinheit nicht dadurch, dass Menschen sie verlassen. Und je näher wir ihr kommen, desto unverfälschter empfangen wir ihr Wasser.

David bekennt:

„Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Licht schauen wir das Licht.“ (Psalm 36,10)

Und Jesus ruft uns zu:

„Wenn jemand dürstet, der komme zu mir und trinke!“ (Johannes 7,37)

Schließlich lesen wir die wunderbare Verheißung:

„Ich will dem Dürstenden geben aus dem Quell des Wassers des Lebens umsonst!“ (Offenbarung 21,6)

Während Menschen sich mühsam ihre eigenen, löchrigen Zisternen graben, bietet Gott das Wasser des Lebens kostenlos an.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, wohin sich unser Land entwickelt, sondern auch: Aus welcher Quelle lebst du?

Amen

© Jens Völker / Verwendung für gemeindliche oder missionarische Zwecke ausdrücklich erlaubt

Lied: Herr, halte mich nah bei dir jeden Tag – MNR - Gesang: Tara Toma / Klavier: Govert Roos