Eine Begegnung, die ein Leben verändert Gottes perfektes Timing

Kurz nachgedacht:

(Der Impuls enthält u.U. Links zum weitergehenden Verständnis.)

Eine Begegnung, die ein Leben verändert

Vor einer Woche habe ich dir im Samstagsimpuls den Vorschlag gemacht, die dort abgedruckte Geschichte von Philippus und dem Kämmerer (Apostelgeschichte 8,26-40) für dich selbst zu lesen und herauszufinden, was du selbst aus dieser Geschichte lernen kannst.

Heute möchte ich deine Gedanken von letzter Woche um einige Beobachtungen ergänzen, die mir beim Lesen dieser Geschichte besonders wichtig geworden sind.

Das Evangelium von Jesus Christus hatte sich bereits über die Grenzen Jerusalems hinaus bis in den Norden Israels nach Samaria ausgebreitet. Dort erlebte der Apostel Philippus einen gesegneten Dienst. Menschen kamen in großer Zahl zum Glauben, es geschahen Zeichen und Wunder, eine ganze Stadt erlebte Freude und Aufbruch.

Und genau jetzt sagt Gott durch einen Engel zu Philippus: „Steh auf und wandere nach Süden auf der Straße, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt; diese ist einsam.“

Aus menschlicher Sicht ist das total unvernünftig. Warum einen erfolgreichen Dienst verlassen, um auf eine Wüstenstraße zu gehen? Aber Philippus gehorcht, ohne zunächst den Sinn zu verstehen. Wie oft erleben wir das ebenfalls? Erst rückblickend verstehen wir Gottes Führung, manchmal erst nach vielen Jahren erkennen wir, wie Gott dadurch uns selbst und andere gesegnet hat.

Eigentlich geht es ja nur um einen einzigen Mann. Den Kämmerer eben. Keine große Evangelisation, nur ein einsamer Reisender auf der staubigen Straße irgendwo zwischen Jerusalem und Gaza.

Aber Gott sieht nicht nur Menschenmengen. Er sieht den einzelnen Menschen. Und für diesen lohnt sich der Aufwand, selbst wenn er nur einen Menschen erreichen will. Ein Engel wird geschickt, der Heilige Geist spricht und Philippus selbst muss viele Kilometer laufen. Wie groß ist Gottes Liebe doch zu jedem einzelnen von uns Menschen?

Mich fasziniert, wie Gott die nun folgende Begegnung vorbereitet. Er bereitet den Evangelisten vor und während der noch unterwegs ist, liest der Kämmerer genau Jesaja 53. In diesem Kapitel geht es bereits 600 Jahre vor den Ereignissen um das Leiden und Sterben Jesu am Kreuz.

Das ist auch heute oft so. Manchmal arbeitet Gott am Herzen eines Menschen schon längst, bevor wir ihm dann begegnen.

Als Philippus ihm begegnet, hält er ihm nicht seine Lieblingspredigt, sondern er fragt: „Was liest du gerade?“ Das baut eine Brücke und das Gespräch kann genau da einsetzen, wo der andere Fragen hat. Das ist ein wunderbares Vorbild für eine gute Evangelisation, die den anderen im Blick hat und dort ansetzt, wo dieser gerade steht.

Philippus baut keinen Druck auf, indem er z.B. wie wir manchmal fragen: „Liest du auch regelmäßig in der Bibel?“ Sondern er fragt: „Verstehst du auch, was du liest?“ Das ist ein anderer Ansatz. Kein Vorwurf, kein Druck, sondern Interesse für den Menschen und die erkennbare Motivation zu helfen.

Philippus hätte unzählige Bibelstellen wählen können, um dem Kämmerer seine vorbereitete Standardpredigt zu halten. Aber er setzt bei dem an, was Gott vorbereitet hat. Gott hat für die richtige Bibelstelle gesorgt. Lukas schreibt den bemerkenswerten Satz: „Er begann mit dieser Schriftstelle..“

Ich glaube, Philippus hat von dieser einen Schriftstelle aus dem Kämmerer das ganze Evangelium entfaltet: Kreuz – Auferstehung – Vergebung – Gnade – Wiedergeburt.

Und nachdem Philippus ihm das Evangelium erklärt hatte, fragt der Kämmerer: „Was hindert mich noch, getauft zu werden?“

Für mich ist klar, dass der Kämmerer zum rettenden Glauben an Jesus gekommen war und den Heiligen Geist empfangen hatte. Dieser Vorgang geschieht innerlich in einem Menschen, man sieht es von außen nicht. Nun möchte der Kämmerer durch die Taufe sichtbar machen, was unsichtbar an ihm geschehen war.

Und Philippus taufte ihn. Danach aber war er plötzlich verschwunden.

Ohne Abschied, ohne Nachbetreuung, ohne einen Hauskreis oder eine Gemeinde, in den er ab jetzt gehen konnte, ohne WhatsApp-Gruppe und ohne Gemeindebrief oder Bibelleseplan.

Aber es heißt im Text, dass der Kämmerer voller Freude seinen Weg in die Heimat fortsetzte. Obwohl Philippus, der Mann, der ihn zum Glauben führte, verschwunden war. Warum? Weil der Glaube des Kämmerers nie auf Philippus gegründet war, sondern auf Christus.

Er verlor Philippus aus den Augen, aber sein Blick war von diesem Augenblick fest auf Christus gerichtet.

Das ist übrigens ein Maßstab für jeden, der das Wort Gottes verkündet: Ein guter Prediger bindet Menschen nicht an sich, sondern an Jesus.

Der Kämmerer zog seine Straße fröhlich.

Lukas erzählt uns nicht, was aus ihm geworden ist. Ob er gesund blieb und lange lebte. Ob er seinen Job behielt oder sogar wegen seines neuen Glaubens verfolgt wurde. Ob seine Familie ebenfalls gläubig wurde.

Wir erfahren nur diesen einen Satz: „..denn er zog voll Freude seines Weges."

Vielleicht möchte Lukas uns genau das sagen: Wer Jesus gefunden hat, hat das Entscheidende gefunden. Alles Weitere aus dem weiteren Leben des Kämmerers überlässt Lukas bewusst Gott.

Amen

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Lied: „Mittelpunkt“ - Outbreakband