Er wird's wohl machen Was heißt es, dem Herrn seine Wege zu befehlen?

Kurz nachgedacht:

(Der Impuls enthält u.U. Links zum weitergehenden Verständnis.)

„Er wird’s wohl machen“

Befiehl dem HERRN deinen Weg und vertraue auf ihn, so wird er es vollbringen.“
Psalm 37,5 (Schlachter 2000)

Vor etwa 40 Jahren unterhielt ich mich mit zwei jungen christlichen Kollegen über eine interessante Frage: Wie erkennen wir Gottes Willen, wenn wir wichtige Entscheidungen treffen müssen?

Die beiden hatten unterschiedliche Auffassungen.

Thomas meinte: „Solange Gott mir nicht eindeutig zeigt, was ich tun soll, warte ich ab.“ Detlef sah es pragmatischer: „Ich bete um Gottes Führung. Bekomme ich keine eindeutige Antwort, treffe ich eine Entscheidung und bitte Gott, mir den Weg zu versperren, falls er nicht gut für mich ist.“

Schon damals fand ich den zweiten Gedanken überzeugender.

Denn manchmal müssen wir Entscheidungen treffen, ohne genau zu wissen, welchen Weg Gott für uns vorgesehen hat. Ob Beruf, Partnerschaft oder andere wichtige Lebensfragen – wir können schließlich nicht immer jahrelang warten.

Aber bedeutet das, dass wir einfach unseren eigenen Willen durchsetzen sollen?

Nein! Und genau hier wird Psalm 37,5 für mich so wertvoll.

Gott unsere Wege anzubefehlen bedeutet nicht, Ihn darum zu bitten, unsere fertigen Pläne abzusegnen. Es bedeutet, Ihm die Führung über unsere Wege anzuvertrauen.

 Wir dürfen Entscheidungen treffen. Gott hat uns Verstand, Verantwortung und einen gewissen Handlungsspielraum gegeben.

Dabei lässt Er uns keineswegs ohne Orientierung: In Seinem Wort zeigt Er uns, was Ihm gefällt und woran wir unsere Entscheidungen ausrichten sollen.

Nicht für jede Lebensfrage brauchen wir deshalb ein besonderes Zeichen vom Himmel.

Vielmehr dürfen wir auf Seine Führung vertrauen, wie uns Sprüche 3,5–6 ermutigt. Und wir sollten stets bereit bleiben, unsere eigenen Pläne von Ihm korrigieren zu lassen.

Manchmal öffnet Gott Türen. Und manchmal verschließt Er sie. Und manchmal führt Er uns auf Wege, die wir uns selbst niemals ausgesucht hätten.

Ich habe das in meinem Leben mehrfach erfahren.

Besonders deutlich wurde es mir im vergangenen Jahr, als ich an Krebs erkrankte. Diesen Weg hätte ich mir ganz bestimmt nicht ausgesucht. Und dennoch durfte ich erleben, wie Gott mich hindurchgetragen hat.

Durch Seine Nähe, durch Sein Wort, durch die Gebete vieler Geschwister und durch die Gewissheit, dass mein Leben in seinen Händen liegt. Im Rückblick erkenne ich sogar viele wertvolle Dinge, die gerade durch diese schwere Zeit entstanden sind.

Das bedeutet nicht, dass Krankheit etwas Gutes wäre. Aber Gott kann selbst aus schweren Erfahrungen Gutes wachsen lassen. Dabei dürfen wir uns auf Seine Zusage verlassen: „Ich will dich nicht aufgeben und dich niemals verlassen!“ (Hebräer 13,5)

Das bedeutet nicht, dass Er uns jeden schweren Weg erspart. Aber wir dürfen darauf vertrauen, dass Er uns auch auf solchen Wegen nicht allein lässt.

„Er wird’s wohl machen“ bedeutet eben nicht: Alles wird so, wie ich es mir wünsche. Sondern: Gott wird Seinen guten Willen verwirklichen, auch wenn ich Seine Wege zunächst nicht verstehe.

Jesus erinnert uns daran, dass unser himmlischer Vater sogar die Vögel versorgt und unsere Haare gezählt hat (Matthäus 6,26; 10,30).

Wie viel mehr dürfen wir Ihm dann unsere Lebenswege anvertrauen!

Dabei reicht Gottes Fürsorge weit über unsere täglichen Bedürfnisse hinaus. Er sieht nicht nur die nächste Wegbiegung, sondern kennt das Ziel. Und dieses Ziel ist für seine Kinder größer als ein gelungenes irdisches Leben: Es ist die ewige Gemeinschaft mit Ihm.

Vielleicht erkennen wir erst Jahre später, weshalb Gott uns anders geführt hat. Vielleicht verstehen wir manches sogar erst in der Ewigkeit.

Aber eines dürfen wir wissen: Unser himmlischer Vater verliert uns niemals aus dem Blick.

Und vielleicht liegt genau darin das Geheimnis dieses Bibelverses: Gott ist nicht einfach derjenige, der unsere Pläne zum Erfolg führt. Er ist unser Vater, dem wir sogar das Scheitern unserer Pläne anvertrauen dürfen.

Denn unser Vertrauen soll nicht davon abhängen, ob unsere Wünsche in Erfüllung gehen. Es gründet sich vielmehr darauf, dass wir wissen, wem wir unser Leben anvertraut haben.

Darum möchte ich dich heute ermutigen:

·     Triff deine Entscheidungen im Gebet!

·     Suche Gottes Willen in Seinem Wort!

·     Geh mutig voran, aber halte deine eigenen Pläne nicht krampfhaft fest!

·     Und wenn Gott deinen Weg verändert, dann vertraue darauf, dass Er weiter sieht als du!

Denn es kommt nicht darauf an, dass Gott immer meine Wege mitgeht.

Entscheidend ist, dass ich bereit bin, Seine Wege mitzugehen. „Befiehl dem HERRN deinen Weg und vertraue auf ihn, so wird er es vollbringen.“

Ich wünsche dir ein gesegnetes Wochenende!

Amen

© Jens Völker / Verwendung für gemeindliche oder missionarische Zwecke ausdrücklich erlaubt

Lied: Befiehl du deine Wege – Lothar Kosse und das Liederschatz-Projekt live am 5. Sept. 2019 auf dem "Schönblick"