Gottesdienst für junge Erwachsene
Jan
Kurz nachgedacht:
(Der Impuls enthält u.U. Links zum weitergehenden Verständnis)
Diese Woche bin ich im Internet an einem Spruch hängen geblieben, der Albert Camus (1913–1960), dem französischen Schriftsteller und Philosophen, zugeschrieben wird:
„Ich würde lieber so leben, als gäbe es einen Gott und sterben, um festzustellen, dass es ihn nicht gibt. Als so zu leben, als gäbe es ihn nicht und sterben, um festzustellen, dass es ihn doch gibt.“
Eine interessante Aussage. Sie kitzelte meinen Kopf und schien mir wert, einmal genauer bedacht zu werden. Also habe ich sie einer logischen, einer theologischen und einer praktischen Prüfung unterzogen.
Die schiefe Logik
Die meisten Menschen leben offenbar nach dem zweiten Satz:
Sie leben so, als gäbe es Gott nicht.
Ich persönlich glaube allerdings, dass die Bibel recht hat, wenn sie sagt, dass es für diese Menschen ein böses Erwachen geben wird. Denn dann werden sie feststellen, dass sie falsch geglaubt – und entsprechend falsch gelebt – haben.
Doch auch der erste Satz von Camus wirft Fragen auf. Denn wenn es keinen Gott gibt, dann gibt es auch keine Transzendenz, keine unsichtbare Wirklichkeit jenseits unserer irdischen Erfahrung. Was also sollte Camus nach dem Tod überhaupt „feststellen“ können? Und wer sollte es feststellen, wenn der Mensch mit dem Tod endgültig aufhört zu existieren?
So betrachtet bleibt von dieser Aussage vor allem eines übrig: Ein gedanklich reizvolles, aber letztlich folgenloses Gedankenspiel.
Die theologische Prüfung
Bedenklich stimmt mich besonders der Satz: „Ich würde lieber so leben, als gäbe es einen Gott.“
Wie lebt man eigentlich so? Als gäbe es einen Gott? „Das ist ein bemerkenswerter, aber auch merkwürdiger Satz.“ Reicht es aus, die Existenz Gottes für möglich zu halten?
Das mag philosophisch interessant sein, bleibt theologisch aber Niemandsland. Denn ein solcher Glaube trägt weder durch dieses Leben noch in die Ewigkeit. Er rettet nicht.
Wenn Jesus sagt:
„Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ (Johannes 14,1), dann meint er mehr als ein bloßes Für-wahr-Halten. Christlicher Glaube erschöpft sich nicht im Denken über Gott.
Darum: Haltet euch beim Glauben nicht nur mit der Philosophie auf! Keine Angst! Der christliche Glaube hält der Prüfung des echten Lebens stand – weil Jesus kein toter Lehrer, sondern ein lebendiger Herr ist. Spätestens beim Glauben an Jesus wird es praktisch.
Über „Gott“ kann man relativ unverbindlich philosophieren. Jesus aber begegnet uns nur im gelebten Glauben. Vielleicht haben deshalb viele Menschen weniger Probleme mit dem Begriff „Gott“ als mit der Person Jesus.
Die praktische Prüfung
Glaube als rein theologische Übung hat keinen wirklichen Mehrwert – weder für dieses Leben noch für die Ewigkeit. Doch der Glaube, der im Wort Gottes verwurzelt ist, will und kann gelebt werden. Und genau darin liegt seine Kraft.
Einen echten Gewinn hat der Glaube nur dann, wenn wir uns schon hier und heute wirklich auf Gott einlassen – und auf Jesus. Auf sein Wort. Auf seine Führung.
Dann erleben wir, wie sich philosophisches Spekulieren allmählich in ruhiges Wissen verwandelt. Und eines Tages wird sich der sichere Glaube in ein staunendes, begeistertes Schauen verwandeln.
Wo stehe ich selbst? Noch beim Nachdenken über Gott – oder schon im Vertrauen auf Jesus?
Amen
© Jens Völker / Verwendung für gemeindliche oder missionarische Zwecke ausdrücklich erlaubt
Lied: Folgen, Leben mit Jesus hat Folgen – Chor vom Kraftstoff-Bibeltag 2023