Hast du deine Tüte dabei Eine Erntedank-Andacht

 Kurz nachgedacht:

(Der Impuls enthält u.U. Links zum weitergehenden Verständnis.)

🛍️ Hast du deine Tüte dabei?

Ein Samstagsimpuls zum Erntedankfest

„Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!“
Psalm 103,2

Anfang Oktober haben wir in unseren Gemeinden Erntedank gefeiert. Ein guter Anlass, noch einmal darüber nachzudenken, wofür wir eigentlich dankbar sein können.

Klassischerweise denken wir an das, was auf unseren Feldern, an Bäumen, Büschen und Sträuchern wächst und gedeiht.

Natürlich hat der Mensch dabei seine Hand im Spiel. Er pflügt, sät, düngt und erntet. Aber das eigentliche Wachstum kann er nicht machen. Da sind wir auf Gottes Güte und seinen Segen angewiesen – trotz aller modernen Technik und Forschung.

Mein Schwiegervater Georg machte sich früher ständig Sorgen um die Ernte. Mal war es zu trocken, mal zu nass, mal zu kalt oder zu warm. Und wenn das Wetter passte, kamen vielleicht die Schädlinge.

Er wusste, wie wenig der Mensch letztlich selbst in der Hand hat.

Aber Gott lässt auch vieles wachsen, ohne dass wir dafür überhaupt etwas getan haben.

Dazu fällt mir eine Begebenheit ein, die schon viele Jahre zurückliegt.

Sabine und ich kamen von einem Herbstspaziergang zurück. Unser Nachbar Hardy fragte uns: „Wart ihr spazieren?“

„Ja“, antworteten wir.

„Aber wo habt ihr denn eure Tüte?“

„Welche Tüte?“

Hardy schaute uns verwundert an: „Na, im Herbst geht man doch nicht ohne Tüte fort!“

Für ihn war klar: Wer im Herbst unterwegs ist, könnte etwas finden, das sich einzusammeln lohnt. Etwas, das gewachsen ist, ohne dass man selbst dafür gearbeitet hat.

Wir haben damals darüber geschmunzelt. Aber dieser Satz ist mir geblieben. Und inzwischen ist er mir zu einem Gleichnis geworden.

Denn wie ist das eigentlich mit unserer Dankbarkeit?

Wir danken Gott für die Ernte. Und das ist gut und richtig.

Aber wie oft danken wir für Dinge, mit denen wir ohnehin gerechnet haben?

Wir gehen in den Supermarkt und erwarten volle Regale. Wir drehen den Wasserhahn auf und erwarten sauberes Wasser. Wir stehen morgens auf und erwarten, dass unser Körper funktioniert.

Weil wir das alles für selbstverständlich halten, vergessen wir manchmal, wie reich wir eigentlich beschenkt sind.

Jakobus schreibt:

„Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab.“ (Jakobus 1,17)

Nicht nur die außergewöhnlichen Dinge. Auch die kleinen, alltäglichen, unscheinbaren.

Vielleicht ist das Selbstverständliche oft nur ein Geschenk Gottes, an das wir uns gewöhnt haben.

Und wie viel Gutes schenkt Gott uns, ohne dass wir es überhaupt bemerken?

Wie oft sind wir möglicherweise vor Gefahren bewahrt worden, von denen wir nie erfahren haben? Wie viele Dinge geschehen zu unserem Besten, ohne dass wir Gottes Hand darin erkennen?

Wir können Gott bewusst nur für das danken, was wir auch wahrnehmen.

Aber Gottes Güte ist nicht auf das beschränkt, was wir wahrnehmen!

Deshalb möchte ich noch einmal auf Hardy zurückkommen.

„Im Herbst geht man nicht ohne Tüte fort.“

Ich glaube, wir sollten überhaupt keinen Tag ohne Tüte beginnen.

Natürlich meine ich eine unsichtbare Tüte. Eine Tüte für Gottes Geschenke.

Eine Tüte, die wir morgens in Gedanken mitnehmen, weil wir damit rechnen dürfen, dass Gott uns auch heute wieder beschenkt.

Vielleicht entdecken wir Dinge, die wir bisher für selbstverständlich gehalten haben. Vielleicht erkennen wir erst am Abend, wie reich wir beschenkt worden sind.

Und selbst an Tagen voller Sorgen, Krankheit oder Enttäuschungen bleibt Gottes Güte und Treue bestehen.

Wir wissen nicht, was morgen in unserer Tüte liegen wird. Aber wir wissen, von wem die guten Gaben kommen.

Deshalb möchte ich dir eine Empfehlung mit auf den Weg geben – für jeden neuen Morgen, den Gott uns schenkt:

Nimm eine Tüte mit!

Ich wünsche dir und deinen Lieben ein gesegnetes und dankbares Wochenende!

Amen

© Jens Völker / Verwendung für gemeindliche oder missionarische Zwecke ausdrücklich erlaubt

Lied: