Vorstandssitzung
Mai
Kurz nachgedacht:
(Der Impuls enthält u.U. Links zum weitergehenden Verständnis)
Titel: Impulsreihe Pfingsten - Noch nicht
Es muss ein seltsamer Moment gewesen sein.
Die Jünger standen da. Der Tod war besiegt und Jesus war auferstanden. Vierzig Tage lang hatte der Herr mit ihnen über die Geheimnisse des Reiches Gottes gesprochen. Sie hatten den Auftrag bekommen, das Evangelium in die Welt zu tragen. Eigentlich hätte es sofort losgehen können.
Vielleicht standen manche Jünger innerlich schon in den Startlöchern. Endlich raus! Endlich loslegen! Endlich etwas bewegen!
Doch dann sagt Jesus etwas Überraschendes: „Bleibt in der Stadt, bis ihr angetan werdet mit Kraft aus der Höhe.“ (Lukas 24,49)
Und kurz vor seiner Himmelfahrt wiederholt Jesus denselben Gedanken noch einmal: „…dass sie Jerusalem nicht verlassen sollten, sondern auf die Verheißung des Vaters warten…“ (Apostelgeschichte 1,4)
Mit anderen Worten: Jetzt noch nicht!
Denn die Jünger hatten zwar schon vieles. Aber etwas Entscheidendes fehlte ihnen noch: Der Heilige Geist.
Das ist bemerkenswert. Die Jünger hatten damals vermutlich mehr Bibelwissen als wir heute alle zusammen. Sie hatten einen unvergleichlichen Lehrer gehabt und Jesus persönlich erlebt. Sie hatten Wunder gesehen. Sie kannten den Missionsauftrag. Aber trotzdem sollten sie warten.
Warum? Weil Gottes Reich nicht durch menschliche Begeisterung gebaut wird. Nicht durch Aktivismus und erst recht nicht durch Theologie allein.
Wobei sich mir eine andere Frage stellt: Sind wir heute überhaupt noch so motiviert und begeistert wie die Jünger damals?
Denn viele Christen nehme ich heute nicht wahr wie Menschen, die kaum zu bremsen sind.
Eher wie Menschen, die geistlich irgendwo zwischen Müdigkeit, Alltag und Dauerablenkung hängen geblieben sind.
Und vielleicht ist die größte Gefahr unserer Zeit gar nicht geistlicher Aktionismus. Vielleicht ist es geistlicher Winterschlaf.
Aber trotzdem bleibt die Wahrheit dieselbe: Denn egal, ob jemand hektisch losrennt oder träge sitzen bleibt — ohne die Kraft des Heiligen Geistes entsteht keine geistliche Frucht.
Jesus wusste: Wer das Werk Gottes tun will, braucht zuerst die Kraft Gottes.
Darum mussten die Jünger warten. Und genau das fällt uns heute so schwer. Wir leben in einer Zeit, in der alles sofort passieren soll. Sofort antworten, sofort posten, sofort reagieren. Hauptsache beschäftigt und Hauptsache sichtbar.
Aber Jesus sagt nicht zuerst: „Geht!“ Er sagt zuerst: „Bleibt!“
Warten gehört manchmal zur Vorbereitung Gottes.
Vielleicht möchte Gott uns zuerst lehren:
· abhängig zu werden,
· zu beten,
· auf ihn zu hören,
· und nicht aus eigener Kraft loszustürmen.
Jesus sagt in Johannes 15,5: „Ohne mich könnt ihr nichts tun.“ Er sagt nicht „wenig“.
Er sagt: „nichts“.
Wer Frucht bringen will, muss in Christus bleiben — und solange warten, bis Christus durch Seinen Geist in ihm lebt und wirken kann. Bei den ersten Jüngern geschah das noch zeitversetzt.
Seit Pfingsten aber gehört beides zusammen.
Darum ist Christsein weit mehr als religiöse Aktivität. Es geht nicht darum, möglichst beschäftigt für Jesus zu sein. Es geht darum, mit Jesus verbunden zu leben.
Die Jünger warteten damals auf den Heiligen Geist.
Und wir? Vielleicht sollten auch wir manchmal erst still werden und auf den Heiligen Geist hören, bevor wir losrennen — oder geistlich einschlafen.
Amen
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Lied: Geist Gottes komm feat. Leon Mann | Acoustic Sessions | Alive Worship