Jesus gebraucht Menschen, die er befähigt Wie befähigt Jesus

Kurz nachgedacht:

(Der Impuls enthält u.U. Links zum weitergehenden Verständnis.)

Letzte Woche haben wir Petrus in der Schule Jesu begleitet.

Wir haben gesehen, wie Jesus ihn verändert hat.

Petrus durfte lernen. Manchmal durch Ermutigung, manchmal durch deutliche Korrektur und manchmal durch schmerzhaftes eigenes Versagen.

Aber am Ende unseres Impulses blieb noch etwas offen.

Denn selbst der veränderte Petrus brauchte für seinen Auftrag etwas, das er niemals aus sich selbst hervorbringen konnte: Kraft von Gott.

Nach seiner Auferstehung gibt Jesus seinen Jüngern einen gewaltigen Auftrag. Sie sollen seine Zeugen sein.

Nicht nur in Jerusalem. Nicht nur in Judäa. Nicht einmal nur in ihrem eigenen Volk. Sondern „bis an das Ende der Erde“.

Das muss man sich einmal vorstellen.

Da steht eine kleine Gruppe von Menschen. Keine Organisation. Keine modernen Kommunikationsmittel. Kein Geldapparat. Keine politische Macht. Nicht einmal ein kleiner Förderverein.

Und diese Leute sollen die Botschaft von Jesus Christus in die Welt tragen.

Wenn es jemals einen Moment gegeben hat, in dem Petrus hätte sagen können: „Herr, dafür bin ich nicht geeignet!“

Dann diesen.

Aber Jesus sagt ihnen etwas Entscheidendes: „Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist; und ihr werdet meine Zeugen sein …“ Apostelgeschichte 1,8

Jesus sagt nicht:

„Jetzt habt ihr drei Jahre Ausbildung hinter euch. Nun wisst ihr, wie es geht. Also los!“

Er sagt: „Ihr werdet Kraft empfangen.“

Und dann kommt Pfingsten. Der Heilige Geist erfüllt die Jünger.

Und Petrus steht auf und predigt. Ausgerechnet Petrus.

Der Mann, der wenige Wochen zuvor im Hof des Hohenpriesters vor einer Magd eingeknickt war und behauptet hatte: „Ich kenne diesen Menschen nicht!“

Jetzt steht derselbe Petrus vor einer großen Menschenmenge und verkündigt öffentlich genau diesen Jesus.

Was ist passiert?

·     Hat Petrus in diesen wenigen Wochen plötzlich seine Persönlichkeit völlig verändert?

·     Hat er einen Rhetorikkurs besucht?

·     Ein Seminar über sicheres Auftreten vor großen Gruppen?

Nein.

Der entscheidende Unterschied liegt nicht darin, dass Petrus plötzlich stärker geworden wäre. Er hat Kraft empfangen.

Vielleicht liegt hier eines unserer größten Missverständnisse, wenn wir darüber nachdenken, ob Jesus uns gebrauchen kann.

Wir schauen auf uns.

Kann ich das?

Traue ich mir das zu?

Bin ich mutig genug?

Kann ich gut genug reden?

Habe ich genügend Wissen?

Und dann lautet unsere Antwort vielleicht:

Nein. Möglicherweise stimmt sie sogar.

Aber vielleicht haben wir die falsche Frage gestellt.

Die entscheidende Frage ist nicht nur:

„Was kann ich?“

Sondern: „Was kann Gott durch mich tun?“

Das bedeutet nicht, dass wir uns nicht vorbereiten sollen.

Ein Prediger sollte seine Predigt vorbereiten.

Wer Kindern die Bibel erklärt, sollte wissen, was er ihnen erzählen möchte.

Wer eine Aufgabe übernimmt, darf lernen und Erfahrungen sammeln.

Jesus selbst hatte seine Jünger schließlich drei Jahre lang ausgebildet.

Aber unsere Vorbereitung und auch die beste Ausbildung ersetzt niemals Gottes Kraft.

Und unsere Schwäche verhindert Gottes Kraft auch nicht.

Die Kraft Gottes ist nicht abhängig von unserer Stärke oder unserer Schwäche.

Paulus hat das später selbst erfahren. Als er Gott darum bat, ihm eine Schwachheit wegzunehmen, bekam er eine erstaunliche Antwort:

„Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft wird in der Schwachheit vollkommen!“ 2. Korinther 12,9

Das verändert den Blick. Ich muss Jesus nicht beweisen, dass ich stark genug für seinen Auftrag bin.

Ich darf ihm meine Schwäche hinhalten.

Und ihm zutrauen, dass seine Kraft größer ist als meine Begrenzung.

Vielleicht kann man das, was wir in den vergangenen Wochen entdeckt haben, deshalb in einem einzigen Satz zusammenfassen:

Jesus beruft nicht die Befähigten – er befähigt die Berufenen.

Nicht immer auf dieselbe Weise. Nicht jeder bekommt dieselbe Aufgabe. Nicht jeder wird vor Tausenden Menschen stehen wie Petrus.

Aber jeder, den Jesus gebrauchen möchte, darf wissen:

Für das, wozu Jesus mich ruft, muss ich die Kraft nicht aus mir selbst produzieren.

Und damit bleibt noch eine Frage:

Wie sieht dieser Dienst eigentlich aus?

Braucht jeder Mitarbeiter Jesu irgendwann eine Kanzel?

Muss jeder vor vielen Menschen reden?

Oder gibt es vielleicht ganz unterschiedliche Werkzeuge für ganz unterschiedliche Aufgaben?

Manchmal ein Netz. Manchmal eine Angel. Und manchmal nur noch zwei gefaltete Hände.

Darum geht es nächste Woche.

Amen