Jesus gebraucht Menschen, die er verändert Durch seine Kraft, nicht durch unsere Kraft werden wir verändert
Kurz nachgedacht:
(Der Impuls enthält u.U. Links zum weitergehenden Verständnis.)
Letzte Woche haben wir Petrus und Andreas am See Genezareth zurückgelassen.
Jesus hatte zu ihnen gesagt: „Folgt mir nach, und ich will euch zu Menschenfischern machen!“
Und wir haben dabei etwas Wichtiges entdeckt:
Jesus sagte nicht: „Zeigt mir, was ihr könnt.“
Er sagte: „Ich will euch machen.“
Jesus übernimmt also die Ausbildung.
Nun, bei Petrus sollte sich zeigen: Diese Ausbildung war auch nötig.
Petrus ist ein faszinierender Mann. Begeisterungsfähig, mutig, spontan. Einer, der nicht lange überlegt, sondern handelt.
Manchmal allerdings wäre ein bisschen längeres Überlegen durchaus hilfreich gewesen.
Als die Jünger Jesus nachts auf dem See kommen sehen, ist es Petrus, der tatsächlich aus dem Boot steigt und ihm auf dem Wasser entgegengeht.
Was für ein Glaube!
Aber wenig später schaut Petrus auf den Sturm statt auf Jesus – und beginnt zu sinken.
Jesus zieht ihn heraus.
Lektion nicht bestanden? Nein. Etwas gelernt.
Ein anderes Mal erklärt Jesus seinen Jüngern, dass er leiden und getötet werden wird.
Petrus hält das offenbar für eine ausgesprochen schlechte Idee.
Er nimmt Jesus beiseite und beginnt, ihm zu widersprechen.
Man muss sich das einmal vorstellen: Der Schüler erklärt dem Lehrer, wie der Rettungsplan Gottes besser funktionieren würde.
Jesus weist ihn sehr deutlich zurecht. Wieder etwas gelernt.
Und dann kommt die Nacht, in der Petrus sich seiner Sache ganz sicher ist.
Selbst wenn alle anderen Jesus verlassen würden – er nicht!
„Und wenn ich mit dir sterben müsste, werde ich dich nicht verleugnen!“
Matthäus 26,35
Nur wenige Stunden später sitzt Petrus im Hof des Hohenpriesters.
Dreimal wird er gefragt, ob er zu Jesus gehört.
Dreimal sagt er: Nein. Dann kräht der Hahn.
Und Petrus geht hinaus und weint bitterlich.
Spätestens jetzt dürfte von seinem großen Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten nicht mehr viel übrig gewesen sein.
War die Ausbildung damit gescheitert?
War Petrus jetzt endgültig ungeeignet?
Jesus hatte das alles gewusst, bevor er Petrus berief. Er wusste am See Genezareth bereits, welchen Petrus er da vor sich hatte.
Und trotzdem sagte er: „Folge mir nach.“
Nach seiner Auferstehung begegnet Jesus dem gescheiterten Petrus wieder.
Er sagt nicht: „Petrus, ich habe mich in dir getäuscht.“
Stattdessen fragt er ihn dreimal: „Liebst du mich?“
Und dreimal gibt er ihm einen Auftrag: „Weide meine Schafe.“ Johannes 21
Jesus stellt Petrus wieder her.
Aber Petrus ist nicht mehr derselbe Mann.
Aus dem Mann, der überzeugt war: Auf mich kannst du dich verlassen!, wird langsam ein Mann, der lernen muss: Ich bin auf Jesus angewiesen.
Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Lektionen in der Schule Jesu.
Jesus möchte unsere Begabungen gebrauchen. Auch unsere Persönlichkeit. Unsere Erfahrungen. Unsere Stärken.
Aber er möchte uns davon befreien, unser Vertrauen darauf zu setzen. Und manchmal benutzt er dazu sogar unser Scheitern.
Nicht, weil Scheitern gut wäre. Sondern weil Jesus selbst aus unseren Niederlagen etwas machen kann.
Vielleicht gibt es Dinge in deinem Leben, bei denen du denkst: „Das hätte mir als Christ niemals passieren dürfen.“
Vielleicht stimmt das sogar.
Aber daraus folgt nicht: „Jetzt kann Jesus mich nicht mehr gebrauchen.“
Petrus zeigt uns etwas anderes.
Jesus beruft uns, wie wir sind.
Aber er liebt uns zu sehr, um uns einfach so zu lassen.
Nachfolge ist deshalb nicht nur ein Weg, auf dem Jesus uns Aufgaben gibt. Es ist ein Weg, auf dem Jesus uns verändert.
Manchmal ermutigt er uns. Manchmal korrigiert er uns. Manchmal lässt er zu, dass wir unsere eigenen Grenzen kennenlernen.
Und manchmal hebt er uns wieder auf.
Aber die Ausbildung von Petrus war noch nicht beendet.
Denn selbst ein veränderter Petrus brauchte für seinen Auftrag etwas, das er niemals aus sich selbst hervorbringen konnte: Kraft von Gott.
Darum geht es nächste Woche.
Amen
Lied: Jesus, zu dir kann ich so kommen, wie ich bin (Manfred Siebald) – Pfarrer Uwe