Jesus gebraucht unperfekte Menschen Jesus ruft Menschen nicht nur zu sich, sondern auch mit sich.
Kurz nachgedacht:
(Der Impuls enthält u.U. Links zum weitergehenden Verständnis.)
In den vergangenen drei Wochen haben wir uns mit der Frage beschäftigt, was es eigentlich bedeutet, Christ zu sein.
Wir haben gesehen: Ein Christ ist eine neue Kreatur in Christus. Und damit gehört er fest zu Christus. Diese Identität und diese Zugehörigkeit darf und soll in seinem Leben sichtbar werden – auch dann, wenn ihm dabei auch mal der Gegenwind ins Gesicht bläst.
Aber damit sind wir eigentlich noch nicht fertig. Denn Jesus ruft Menschen nicht nur zu sich. Er ruft sie auch mit sich. Er möchte sie als Mitarbeiter für sein Reich gebrauchen.
„Folge mir nach“, sagt er.
Und damit beginnt eine neue Frage: Aber was für Menschen sucht Jesus denn eigentlich als seine Mitarbeiter?
Stellen wir uns einmal vor, Jesus würde dabei vorgehen wie ein modernes Unternehmen.
Die Aufgabe ist schließlich anspruchsvoll. Das Evangelium soll in die ganze Welt. Da braucht man doch qualifizierte Leute.
Also: Stellenausschreibung, Bewerbungsunterlagen, Personalabteilung.
Nach und nach trudeln die Bewerbungen ein. Prüfen wir mal!
Mose? Ziemlich schwieriger Lebenslauf. Einen Menschen erschlagen, anschließend ins Ausland geflohen. Außerdem hält er sich selbst für keinen guten Redner.
Geeignet für eine Führungsposition? Eher nicht.
David? Ja, er hat durchaus Führungserfahrung. Aber leider auch eine Geschichte mit Ehebruch und anschließend dem Versuch, die Sache durch den Tod des betrogenen Ehemannes zu vertuschen. Da leidet, gelinde gesagt, die Integrität.
Die Personalabteilung dürfte langsam nervös werden.
Petrus? Oh, super, er ist hochmotiviert. Allerdings ist er oft impulsiv und unüberlegt, gelegentlich überschätzt er sich selbst, und unter Druck ist er nicht besonders zuverlässig. Später wird er sogar dreimal behaupten, Jesus überhaupt nicht zu kennen.
Auch nicht gerade die Idealbesetzung.
Matthäus? Zöllner. Arbeitet für die Besatzungsmacht und gehört zu einer Berufsgruppe, die dafür bekannt ist, sich auf Kosten anderer zu bereichern.
Schwierig und als Reputation bei den anderen eher hinderlich.
Und dann wäre da noch Paulus.
Religiös hervorragend ausgebildet. Allerdings verfolgt er Christen und ist sogar damit einverstanden, als Stephanus gesteinigt wird.
Spätestens jetzt würde vermutlich jemand in der Personalabteilung fragen:
„Haben wir eigentlich gar keine vernünftigen Bewerber?“
Doch Gott kennt all diese Lebensläufe. Und trotzdem gebraucht er genau solche Menschen. Im Unternehmen würden die nicht mal zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden.
Paulus schreibt später selbst:
„Seht doch eure Berufung an, ihr Brüder! Da sind nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme; sondern das Törichte der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen.“
1. Korinther 1,26–27
Gott betreibt seine „Personal-abteilung“ offenbar nach anderen Maßstäben als wir.
Das bedeutet nicht, dass es ihm egal wäre, wie wir leben. Petrus durfte nicht einfach der alte Petrus bleiben. Paulus schon gar nicht.
Aber Gott wartet nicht auf Menschen mit einer makellosen Vergangenheit, einem perfekten Charakter und einer langen Liste besonderer Fähigkeiten.
Jesus beruft Menschen, wie sie sind – aber er beruft sie nicht dazu, so zu bleiben, wie sie sind.
Vielleicht hast auch du deine ganz persönliche Liste mit Gründen, warum Jesus gerade dich nicht besonders gut gebrauchen kann.
· Zu wenig Bibelwissen.
· Nicht redegewandt genug.
· Zu schüchtern.
· Zu alt.
· Zu jung.
· Zu viele Fehler gemacht.
· Andere können das sowieso viel besser.
Dann schau dir noch einmal Gottes „Personalakten“ an: Mose. David. Petrus. Matthäus. Paulus. Und wir könnten die Liste laut Bibel noch extrem verlängern.
Vielleicht lautet die entscheidende Frage deshalb gar nicht: „Bin ich gut genug, damit Jesus mich gebrauchen kann?“
Sondern: „Was kann Jesus aus einem Menschen machen, der sich von ihm rufen lässt?“
Genau dieser Frage wollen wir in den nächsten Wochen nachgehen.
Und vielleicht entdecken wir dabei etwas Überraschendes:
Jesus sucht keine perfekten Mitarbeiter. Er sucht Menschen, die ihm folgen.
Amen
Lied: Auf den ersten Blick – Manfred Siebald