Jesus weinte Palmsonntag: Die Menschen jubeln - und Jesus weint

Und als er näher kam und die Stadt sah, weinte er über sie.

Lukas 19,41

Kurz nachgedacht:

(Der Impuls enthält u.U. Links zum weitergehenden Verständnis)

Wisst ihr, wo der kürzeste Vers der Bibel steht? Er steht in Johannes 11,35 und steht im Zusammenhang mit dem Tod seines Freundes Lazarus. Da steht Jesus an dessen Grab, und der Bericht teilt uns mit: „Jesus weinte.“ Denn Jesus sieht die Trauer von Maria, Martha und den anderen Juden. Obwohl er weiß, dass er Lazarus gleich auferwecken wird, reagiert er zutiefst bewegt.

Es gibt nur noch eine Stelle in allen Evangelien, die ausdrücklich das Weinen Jesu erwähnt. Sie steht in Lukas 19,41 und Jesus weint über die Stadt Jerusalem. Dort steht: „Und als er näherkam und die Stadt sah, weinte er über sie.“

Es ist Palmsonntag und im Kontext erkennen wir: Jesus nähert sich Jerusalem wenige Tage vor seiner Kreuzigung und weiß, …

·     dass die Stadt ihn letztlich als Messias nicht erkennen wird.

·     dass Gericht über Jerusalem kommen wird.

·     dass die letzte Chance zur Umkehr verpasst werden wird.

Das hier verwendete griechische Wort (ἔκλαυσεν – eklausen) bedeutet lautes Weinen oder Klagen – stärker als in Johannes 11.

Kurz vorher hatten ihn die Menschen in Jerusalem aber gleichwohl mit Begeisterung begrüßt, ihre Kleider und Palmzweige auf die Straße gestreut, als Jesus als Jesus auf dem Jungen einer Eselin über den Ölberg auf die Stadt zuritt.

Warum weint Jesus also trotzdem? Er weiß, dass die Menschen sehr bald enttäuscht sein werden, weil ihre Vorstellung von ihm als Messias nicht mit dem Auftrag seines ersten Kommens übereinstimmen wird. 5 Tage später werden die gleichen Leute brüllen: „Kreuzige ihn!“

Spätestens da wird klar sein: Sie wollten seine erste Sendung als die des Messias, der die Schuld des Volkes ein für alle Mal bezahlt. nicht annehmen, überspringen und gleich sein zweites Kommen als König feiern. Das funktionierte aber nicht. Denn Jesus erfüllt hier den Plan seines Vaters im Himmel, nicht die Wünsche der Menschen. Der Schlüsselvers für den Grund seines vorherigen Weinens stand in Vers 44: „…weil du die Zeit deiner Heimsuchung nicht erkannt hast.“

Nun könnten wir heute sagen: Naja, was gehen uns die Juden von damals an? Das war deren Problem, dass sie Jesus nicht erkannten. Lasst uns hier nicht zu sicher sein, denn Palmsonntag hat auch uns heute viel zu sagen.

Palmsonntag zeigt uns etwas Erschütterndes: Man kann Jesus feiern – und ihn trotzdem verpassen.

Deshalb stellt der Palmsonntag auch dir Fragen: Erkennst du wirklich, wer Jesus ist? Folgst du einem Jesus deiner Wünsche oder dem Jesus, wie Ihn die Bibel uns vorstellt?

Seit damals hat sich nicht so viel verändert. Viele Menschen wollen einen Jesus, der ihr Leben verbessert, der ihnen in jeder Lebenslage hilft und der ihre Wünsche erfüllt. Aber sie wollen keinen Jesus, der ihr Herz verändert, der sie zur Umkehr ruft und der Herr ihres Lebens sein will.

Die Menschen in Jerusalem haben Jesus nicht abgelehnt, weil sie keinen Messias wollten. Sie haben ihn abgelehnt, weil sie einen anderen Messias wollten.

Und genau diese Frage stellt der Palmsonntag auch dir und mir: Folgen wir dem Jesus der Bibel – oder einem Jesus unserer eigenen Vorstellungen?

Prüfe dich also selbst und lass nicht zu, dass Jesus auch über dich weinen muss!

Amen

© Jens Völker / Verwendung für gemeindliche oder missionarische Zwecke ausdrücklich erlaubt

Lied: Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben – Christoph Zehnendner

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