Kirche und Politik Wie politisch soll ein Christ sein?
Und passt euch nicht diesem Weltlauf an, sondern lasst euch [in eurem Wesen] verwandeln durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.
Römer 12,2
Kurz nachgedacht
(Der Impuls enthält ggf. Links zum weitergehenden Verständnis)
Römer 12,2
Ich bin Abonnent des Wochenmagazins IDEA, das von der gleichnamigen unabhängigen überregionalen Evangelischen Nachrichtenagentur herausgegeben wird. Somit kann ich auch die Online-Artikel lesen. Und da habe ich etwas Spannendes entdeckt (10.02.2026).
Im Teaser eines entsprechenden Facebook-Artikels hieß es:
„Das ‚Kirchenvolk‘ habe eine recht hohe parteipolitische Sympathie für CDU und CSU. Dagegen sympathisierten die Kirchenleitungen und der theologische Nachwuchs überwiegend mit linken Gedanken und Parteien, wie den Grünen oder der SPD, beobachtet Christian Meißner.“
Zwei Dinge haben mich dabei ein bisschen ins Nachdenken gebracht.
1.) Natürlich bin ich der Ansicht: Ein Christ sollte durchaus eine eigene politische Meinung haben. Unpolitisch zu sein ist keine Lösung, denn unser Glaube wird immer wieder durch politische Entwicklungen herausgefordert – im Positiven wie im Negativen.
Als Christ lebe ich in der Spannung, dass ich einerseits der Obrigkeit untertan sein soll (Römer 13,1-7), andererseits aber prüfen muss, ob das, was sie vorgibt, mit dem Willen Gottes vereinbar ist. Im Zweifel kann das nämlich durchaus kollidieren. Dann gilt für mich die Aussage von Petrus und Johannes vor dem Hohen Rat (Apg 4,19): „Entscheidet ihr selbst, ob es vor Gott recht ist, euch mehr zu gehorchen als Gott!“
Welche Partei gehorcht nun Gott?
Eine absurde Frage. Keine Partei setzt den Willen Gottes vollkommen um. Auch das „C“ im Parteinamen garantiert keine christliche Fokussierung.
Darum warne ich vor einem bequemen Anhängen an bestimmte Parteien, die alle in erster Linie auf menschlichen Programmen beruhen. Sollten wir Christen uns stattdessen nicht viel mehr auf unser eigenes Grundsatzprogramm besinnen – das Wort Gottes?
Dieses Wort gibt uns klare Maßstäbe und Grundwerte. Wie diese jedoch im politischen Detail konkret umgesetzt werden sollten, darüber können Christen durchaus unterschiedlich urteilen. Hier gibt es legitime Pluralität. Aber die gemeinsame Grundlage sollte dieselbe bleiben: Gottes Wille
2.) Mein zweiter Gedanke betrifft die Unterscheidung zwischen „Kirchenvolk“ und „Kirchenleitungen“. Denn eigentlich sind wir doch laut, Bibel (1.Korinther 12,12-27) unterschiedliche Glieder an einem Leib – mit verschiedenen Aufgaben, aber mit demselben Haupt: Christus
Wenn sich beide Seiten konsequent an Christus und an der Lehre der Apostel ausrichten würden, dann dürften parteipolitische Unterschiede nicht identitätsstiftend werden. Die gemeinsame Mitte wäre klar: Nachfolge Jesu und die Lehre der Apostel
Das bedeutet nicht zwangsläufig politische Gleichförmigkeit in jeder Einzelfrage. Aber es bedeutet eine gemeinsame geistliche Ausrichtung, die stärker wiegt als parteipolitische Präferenzen.
Dann läge der Fokus wieder auf der eigentlichen Kernkompetenz der Kirche: Verkündigung des Evangeliums, Leben in Heiligung, Orientierung an Gottes Wort – und eine klare, vielleicht auch für die Kirche selbst unbequeme Profilierung in der Gesellschaft.
3.) Komprimiert: „Kirchenvolk“ und Kirchenleitungen täten meiner Meinung nach gut daran, sich weniger an politischen Parteien zu orientieren und mehr an ihrem eigenen Grundsatzprogramm – dem Wort Gottes.
Wo unser Denken durch Christus erneuert wird (Römer 12,2), dort kann echte Prüfung geschehen. Und wo Christus das Haupt ist, dort verbindet uns mehr, als politische Unterschiede uns trennen.
Vielleicht würden wir dann wieder nicht nur von uns selbst, sondern auch in der Welt stärker als das wahrgenommen, was wir sind: Ein Leib. Mit einem Herrn. Und einem Wort, das über allen Programmen steht
Amen
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