Gottesdienst für junge Erwachsene
Jan
Kurz nachgedacht:
(Der Impuls enthält u.U. Links zum weitergehenden Verständnis)
Letzte Woche haben wir uns Gedanken gemacht über unsere neue Jahreslosung (Offenbarung 21,5). Und ich habe an mein vergangenes Jahr gedacht. Da habe ich gemerkt: Die Beschäftigung mit der Hoffnung auf die Ewigkeit bei Gott will keine theoretische Randfrage sein oder ein Thema für religiöse, leicht mystisch angehauchte Spinner. Sondern es will ein Thema sein, das jetzt schon unser Leben trägt und prägt.
Sehnsucht nach dem Himmel
Manchmal ist sie ganz leise. Und manchmal trifft sie uns mit voller Wucht.
Diese innere Unruhe, dieses Gefühl: Das kann doch noch nicht alles gewesen sein.
Ein schöner Moment vergeht. Ein geliebter Mensch fehlt. Ein Erfolg erfüllt nur kurz. Und irgendwo tief in uns regt sich eine Sehnsucht, die sich nicht richtig benennen lässt.
Die Bibel sagt: Diese Sehnsucht ist kein Zufall. „Gott hat die Ewigkeit in ihr Herz gelegt“ (Prediger 3,11). Wir Menschen sind nicht nur für das Hier und Jetzt gemacht. Wir tragen eine Ahnung von mehr in uns – eine Ahnung vom Himmel.
Die Bibel verschweigt nicht, dass diese Welt schön sein kann. Aber sie macht auch klar: Sie ist nicht unsere eigentliche Heimat. Der Hebräerbrief beschreibt die Glaubenden als Menschen, die „bekannten, dass sie Gäste und Fremdlinge auf Erden sind“ und sich „nach einem besseren, himmlischen Vaterland sehnten“ (Hebräer 11,13.16). Wer an Jesus glaubt, lebt bewusst in einer Spannung: mitten im Leben – und doch innerlich auf dem Weg nach Hause.
Paulus bringt das auf den Punkt: „Unser Bürgerrecht ist im Himmel“ (Philipper 3,20). Unsere wahre Identität, unsere endgültige Zugehörigkeit liegt nicht hier. Das erklärt, warum uns nichts Irdisches dauerhaft satt macht. Erfolg nicht. Besitz nicht. Sicherheit nicht. Selbst die schönsten Beziehungen tragen immer auch Brüche und Abschiede in sich.
Jesus selbst greift diese Sehnsucht auf und gibt ihr eine Richtung:
„Euer Herz erschrecke nicht… Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten“ (Johannes 14,1–3). Der Himmel ist keine vage Hoffnung, sondern eine konkrete Verheißung. Jesus spricht nicht von einer Idee, sondern von einem Ort – von Gemeinschaft, von Nähe, von Heimat bei Gott.
Diese Hoffnung bedeutet nicht Weltflucht. Im Gegenteil. Wer den Himmel vor Augen hat, kann diese Welt realistischer lieben. Paulus schreibt: „Denn das Sichtbare ist zeitlich, das Unsichtbare aber ewig“ (2. Korinther 4,18). Gerade weil wir wissen, dass nicht alles hier entschieden wird, können wir Leiden aushalten, loslassen lernen und mutig glauben.
Vielleicht ist unsere Sehnsucht nach dem Himmel genau das: Gottes sanfte Erinnerung, dass wir für mehr geschaffen sind. Dass unser Ziel nicht im Sichtbaren liegt. Und dass unser Leben eine Richtung hat – hin zu dem, der uns gemacht hat und auf uns wartet.
Bis dahin gehen wir unseren Weg. Mit beiden Füßen auf der Erde. Aber mit dem Herzen auf dem Weg nach Hause.
Amen
© Jens Völker / Verwendung für gemeindliche oder missionarische Zwecke ausdrücklich erlaubt
Lied: Du machst alles neu – Könige und Priester