Selig sind, die nicht sehen und doch glauben Vertrauen - Glaube - Gewissheit

Kurz nachgedacht:

(Der Impuls enthält u.U. Links zum weitergehenden Verständnis)

Titel: Selig sind, die nicht sehen und doch glauben

„Jesus spricht zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ (Johannes 20,29 LUT)

Kennst du das? Du steigst morgens ganz selbstverständlich in den Bus oder ins Auto und fährst los. Ohne vorher den TÜV-Bericht zu prüfen. Ohne die Bremsleitungen zu kontrollieren. Und vor allem ohne den Fahrer einem psychologischen Eignungstest zu unterziehen. Du vertraust einfach darauf, dass alles gutgeht. Warum? Weil du es schon hundertmal erlebt hast.

Eigentlich lebt unser ganzes Leben von Vertrauen. Niemand kann sich über alles absolute Gewissheit verschaffen. Trotzdem treffen wir jeden Tag Entscheidungen: Wir vertrauen Ärzten, Technik, Freunden, unserem Ehepartner – und manchmal sogar den Wetter-Apps. Wobei Letztere ihren Ruf gelegentlich hart aufs Spiel setzen …

Nur beim Glauben an Gott sagen viele plötzlich: „Erst wenn ich alles sicher weiß, kann ich glauben.“ Genau da wird Thomas spannend. Die anderen Jünger erzählen ihm begeistert: „Jesus lebt! Wir haben ihn gesehen!“ Aber Thomas will mehr. Er will sehen. Anfassen. Kontrollieren. Erst dann will er glauben.

Und Jesus? Er weist Thomas nicht hart zurück. Aber Er zeigt ihm etwas Wichtiges: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“

Darum geht’s Jesus hier: Glaube beginnt oft nicht mit voller Gewissheit – sondern mit Vertrauen. Und die Gewissheit wächst unterwegs.

Denn genau das erleben viele Christen: Erst kommt der Schritt des Glaubens. Und dann schenkt Gott die innere Gewissheit. Paulus schreibt:

„Der Geist selbst gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind.“ (Römer 8,16)

Das bedeutet: Gott kann unserem Herzen eine tiefe Gewissheit schenken. Aber meistens nicht vom Sofa aus, während wir abwarten, bis alle Fragen geklärt sind. Sondern auf dem Weg mit Ihm.

So war es bei Abraham. Gott sagte: „Geh!“ Und Abraham ging los, ohne alles zu wissen. Erst unterwegs lernte er Gottes Treue kennen.

Eigentlich kennen wir dieses Prinzip auch aus Beziehungen.

Ich habe Sabine auch nicht bei der Hochzeit gesagt: „Ich heirate dich erst, wenn ich mathematisch beweisen kann, dass du mich in 36 Jahren noch lieben wirst.“ Liebe beginnt mit Vertrauen. Und durch gemeinsame Erfahrungen wächst Gewissheit.

Warum sollte es bei Gott völlig anders sein?

Natürlich dürfen Fragen gestellt werden. Zweifel sind erlaubt. Aber wer erst glauben will, wenn jede Unsicherheit verschwunden ist, wird vermutlich ewig warten. Denn Gott lädt uns nicht zu einem Leben voller Kontrolle ein, sondern zu einer Beziehung des Vertrauens.

Und jetzt Fragen an dich:

• Wo fordere ich von Gott Sicherheiten, die ich im Alltag sonst von niemandem verlange?

• Bin ich bereit, den ersten Schritt des Vertrauens zu wagen?
• Könnte es sein, dass Gewissheit erst hinter diesem Schritt auf mich wartet?

Jesus sucht keine Menschen, die alles beweisen können. Er sucht Menschen, die bereit sind, Ihm zu vertrauen. Nicht blind. Sondern im Vertrauen darauf, dass Er vertrauenswürdig ist.

Abschlussgedanke:
Vielleicht liegt die größte Hürde des Glaubens nicht darin, dass Gott zu wenig Hinweise gibt – sondern dass wir die Kontrolle nicht loslassen wollen. Doch genau dort beginnt echter Glaube: Nicht erst sehen und dann glauben. Sondern glauben – und dann erleben, dass Er wirklich trägt bis hin zu einer unerschütterlichen Gewissheit.

Amen

© Jens Völker / Verwendung für gemeindliche oder missionarische Zwecke ausdrücklich erlaubt

Lied: Das glaube ich“ – Hillsong Worship

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