Warten in begründeter Hoffnung
Mit der Geduld und dem Warten haben viele Menschen Probleme. Zum Beispiel kann auch ich schnell innerlich ungeduldig werden. Natürlich beherrsche ich mich meistens und lasse das selten raus, aber mir fehlt oft die Geduld, bestimmte Dinge abzuwarten.
Zu der natürlichen Ungeduld von uns Menschen kommt noch die antrainierte unserer Zeit. Werbung und moderne Medien suggerieren uns die Verfügbarkeit von fast allem innerhalb kürzester Zeit. Man bestellt bei Amazon und ärgert sich, wenn am nächsten Tag der DHL-Bote nicht schon mit dem Paket vor der Tür steht. Man schreibt eine WhatsApp und schielt schon auf den doppelten blauen Haken und taucht der nicht nach spätestens einer halben Stunde auf, fangen wir uns an zu ärgern.
Im Übrigen handelt es sich bei letzterem natürlich um einen klassischen Fehler im Vergleich von Äpfeln mit Birnen.
Wenn ich synchrone Kommunikation erwarte, muss ich mit Menschen direkt reden. E-Mail, Messenger, Anrufbeantworter, SMS sind alles Beispiele für asynchrone Kommunikation.
Nur zwei Beispiele, aber Du weißt, was ich meine.
Die in diesem Zusammenhang drei wichtigsten Worte unserer Gesellschaft sind: Ich, alles, sofort. Ich will alles und zwar jetzt und sofort. Und am besten noch überall.
Warten und Geduld sind eng damit verknüpft, wie begründet die Hoffnung ist, dass diese sich auch erfüllt. Und damit, wie zuverlässig die Quelle dieser Hoffnung ist.
Wenn wir keine Hoffnung haben, dass sich bestimmte Dinge ändern oder erfüllen, werden wir entweder zu passiven Resignierten oder zu aktiven Revoluzzern. Entweder wir finden uns mit der Situation ab und werden traurig und resigniert oder wir versuchen mit allen Mitteln den gewünschten Zustand selbst herzustellen.
Kleine und große negative Beispiele im privaten wie auch weltgeschichtlichen Rahmen gibt es viele.
Mir dagegen imponiert ein alter Mann im Tempel in Jerusalem vor mehr als 2000 Jahren, der hochbetagt und motiviert darauf wartete, den Messias, das Licht zur Offenbarung der Heiden und die Verherrlichung von Gottes Volk Israel zu erkennen. Der Heilige Geist hatte Simeon vor langer Zeit zugesagt, er werde nicht sterben, bevor er den Gesalbten des Herren gesehen habe.
Simeon war gerecht, gottesfürchtig, kannte das Wort Gottes sehr gut und der Heilige Geist war auf ihm. Er wartete vielleicht schon Jahrzehnte und ging vermutlich jeden Tag in den Tempel, um bereit zu sein. Gleichzeitig fiel er nicht auf falsche Messiasse herein, die es in dieser Zeit zuhauf gab. Die Erwartung der Menschen war sehr groß in dieser Zeit, da der Messias für diese Zeit angekündigt war (Daniel 9,24-27).
Aber Simeon resignierte nicht, weil er der Quelle des Heiligen Geistes vertraute. Und er revoltierte auch nicht, indem er den falschen Messiassen nachlief.
Auch wir Christen sind Wartende auf das zweite Kommen Christi. Wir können seine Ankunft nicht errechnen wie damals, aber es gibt Zeichen für das zweite Kommen. Es wurde zugesagt und es wird sich (bald) erfüllen.
Und weil die Quelle vertrauenswürdig ist, brauchen wir nicht zu resignieren und auch nicht revoltieren, indem wir das Reich Gottes mit Gewalt herbeizuführen versuchen.
Sondern wir dürfen voller Zuversicht und Erwartung sein und zwischenzeitlich in festem Glauben andere Menschen ebenfalls zu einem Leben mit dem auferstandenen und lebendigen Herrn Jesus einladen.
Amen
Lied: Wir warten dein o Gottes Sohn - Licht zeichen