Was ist dicker als Blut?
Was ist dicker als Blut? Zugegeben: Ein komischer Titel für eine Andacht. Aber gibt es nicht auch das Sprichwort „Blut ist dicker als Wasser“?
Landläufig wird damit ausgesagt, dass in eigentlich allen Kulturen verwandtschaftliche Beziehungen als stärker und wichtiger betrachtet werden als die Verbindungen zu Freunden oder Bekannten. Emotional muss man da sicher in manchen Fällen ein Fragezeichen setzen, aber juristisch ist die Sache eindeutig.
Mir geht es heute aber nicht um die Frage: Was ist dünner als Blut, sondern: Was ist dicker als Blut? Was ist wichtiger als blutsverwandtschaftliche Verbindungen? Was ist tiefer, was dauerhafter?
Es gibt eine Geschichte im 12. Kapitel des Matthäus-Evangeliums, die ich hier kurz mit meinen Worten wiedergebe. Nachdem Jesus einen Besessenen geheilt hatte, der vorher blind und stumm gewesen war (V.22-23), wurde er mit dem Vorwurf konfrontiert, Dämonen mit Hilfe Beelzebuls auszutreiben (V. 24). Danach entwickelt sich eine sehr ernste Stellungnahme Jesu zu diesem Vorwurf der Pharisäer (V. 25-45).
Während Jesus noch redete, wollten Seine Mutter und Seine leiblichen Halbbrüder ihn sprechen. Darauf lehrt der Herr die Menschen auf folgende Weise: Er streckte seine Hand über seine Jünger aus, also denen, die ihm nachfolgten und sprach: »Seht, das sind meine Mutter und meine Brüder! Denn wer den Willen meines Vaters im Himmel tut, der ist mein Bruder, meine Schwester und meine Mutter.«
Es gibt also Beziehungen, die sind stärker und wichtiger als die in deiner eigenen Familie. Die sind dicker als Blut.
Und damit möchte ich Familie auf keinen Fall geringschätzen. Gott selbst ist ja der Schöpfer der Ehe und Familie, indem Er sagte, dass es nicht gut ist, wenn der Mensch alleine sei, der ihm eine Gehilfin schaffte und dass der Mann und seine Frau fruchtbar sein und sich mehren sollen.
Die meisten Menschen haben eine Familie und für die, welche keine mehr haben, sollten andere da sein.
Aber die Frage, die Jesus mit seiner Aussage Dir und mir heute stellt, lautet: Bist du mir Bruder, Schwester, Mutter? Und falls ja, wodurch zeichnet sich diese geistliche Verwandtschaft aus?
Jesus sagt, man wird sein Bruder, seine Schwester, seine Mutter, wenn man den Willen des Vaters im Himmel tut.
Tust Du, tun wir diesen Willen? Nach diesem Willen sollen wir suchen und am besten morgens schon fragen: Was ist heute der Wille Gottes für diesen Tag und für mein Leben?
Wie können wir diesen erfahren? Relativ einfach. Wenn wir die Bibel regelmäßig lesen, vor allem das Neue Testament, wird uns der Wille Gotte immer klarer werden. Zusätzlich sollten wir diesen Willen Gottes für unser Reden, Tun und Handeln auch im Gebet erfragen. Das macht all diejenigen, die das tun, zu Verwandten Jesu und zu Verwandten untereinander.
Und vergessen wir zwei Dinge nicht: Solche geistlichen Brüder, Schwestern, Mütter und Väter im Herrn wurden alle durch das kostbare Blut Jesu erkauft und reingewaschen. Und deshalb werden wir diese alle im Himmel wiedersehen, viele unsere leiblichen Verwandten wahrscheinlich aber leider nicht.
Und deshalb sollten wir nicht nur allen Menschen und unseren Blutsverwandten, sondern vor allem auch den Geschwistern im Herrn mit Liebe und Freundlichkeit begegnen.
Amen
Die ganze Geschichte: Matth. 12,22-50
Lied: You are the source (Du bist die Quelle) - Glenn Kaiser