Was Liebe zuerst sieht Augenöffner im ganz normalen Alltag
Kurz nachgedacht:
(Der Impuls enthält u.U. Links zum weitergehenden Verständnis.)
Was Liebe zuerst sieht
Vor etwa drei Wochen stand ich im Getränkemarkt beim Kaufland in der Schlange am Leergutautomaten. Es war ein heißer Sommertag, entsprechend viel Betrieb herrschte.
Eine ältere Rentnerin war an einem Automaten lange damit beschäftigt, mühsam gesammelte Pfandflaschen zurückzugeben.
An bereits zwei der vier Automaten führte inzwischen eine Familie riesige Müllsäcke voller Plastikflaschen einzeln ein. Als ein weiterer Automat frei wurde, belegten sie auch diesen. Hinter ihnen wuchs eine lange Schlange. Mindestens zehn Minuten waren drei der vier Automaten ausschließlich von dieser Familie belegt.
Ich spürte Ärger in mir hochsteigen. Nicht, weil ich es besonders eilig hatte, sondern weil ich dieses Verhalten als rücksichtslos empfand. Gleichzeitig staunte ich über die Menschen in der Warteschlange. Niemand explodierte. Natürlich wurden Blicke ausgetauscht und leise Bemerkungen gemacht. Aber insgesamt blieb die Atmosphäre erstaunlich ruhig.
Auf dem kurzen Weg nach Hause ließ mich das Erlebte nicht los.
War der Familie überhaupt bewusst gewesen, wie viele Menschen ihretwegen warten mussten? Vielleicht war es ihnen egal. Ich ärgerte mich noch immer. Vielleicht aber hatten sie es gar nicht bemerkt. Keine Ahnung. Ich weiß es nicht. Nur Gott kennt das Herz von Menschen.
Doch je länger ich darüber nachdachte, desto mehr merkte ich: Das eigentliche Thema war für mich gar nicht diese scheinbar rücksichtslose Familie.
Das eigentliche Thema war mein eigenes Herz.
Denn vielleicht hatte Gott mir diese Szene gar nicht gezeigt, damit ich über andere nachdenken soll, sondern damit ich über mich selbst etwas lerne. Denn oft gebraucht Gott gerade ganz gewöhnliche Alltagssituationen, um uns zu zeigen, wie wir Jesus ähnlicher werden können.
Mir wurde plötzlich klar: Was ich innerlich bei der Familie anprangerte, ist bei mir oft genauso. Auch ich bin manchmal selbstsüchtig oder schaue einfach auf meinen Vorteil, ohne an den anderen oder die andere zu denken.
Jesus fordert uns Christen auf, Licht der Welt (Matthäus 5,14) zu sein.
Aber kann ich das, wenn ich mich egoistisch verhalte? Sollte ich mich nicht eher daran erinnern, was Jesus auch sagte:
„So soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener; und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht, so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.“ (Matthäus 20, 26-28)
Das Wort Gottes fordert mich auf, mir erst einmal die Frage zu stellen:
„Wie wirkt sich mein eigenes Verhalten auf den anderen aus?“
Lasst uns mal schauen, was Paulus dazu schreibt: „Tut nichts aus Selbstsucht oder nichtigem Ehrgeiz, sondern in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst; jeder schaue nicht auf das Seine, sondern jeder auf das des anderen.“ (Philipper 2,3–4)
Liebe sieht nicht zuerst den eigenen Vorteil.
Liebe sieht den Menschen neben sich.
Jesus gibt uns einen ethischen Kompass, dessen Maßstab die Liebe ist.
Darum sagt Jesus: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut auch ihr ihnen ebenso.“ (Matthäus 7,12)
Und Paulus ergänzt an anderer Stelle: „Niemand suche das Seine, sondern jeder das des anderen.“ (1. Korinther 10,24)
Christen müssen deshalb nicht auf jedes Recht verzichten. Aber sie lernen, nicht zuerst zu fragen: „Was steht mir zu?“
Sondern: „Was hilft meinem Nächsten?“
Das macht uns Christen nicht zu besseren Menschen. Auch in mir steigt manchmal Ärger auf. Der Unterschied besteht darin, dass ich mit meinem Herzen immer wieder zu Jesus gehe und ihn bitte, mich zu verändern.
Darum führt Paulus den Gedanken unmittelbar weiter:
„Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie es Christus Jesus auch war.“ (Philipper 2,5)
Jesus bestand nicht auf seinen Rechten. Er gab sich selbst für uns hin. Wer auf ihn schaut, dessen Gesinnung verändert sich nach und nach.
Und dann fragen wir nicht mehr zuerst: „Was steht mir zu?“
Sondern: „Was sieht die Liebe in diesem Augenblick zuerst?“
Vielleicht beginnt christliche Nächstenliebe viel seltener mit großen Opfern, als wir denken.
Vielleicht beginnt sie einfach dort, wo wir den Menschen neben uns wahrnehmen und ihm in der Gesinnung Christi begegnen.
© Jens Völker / Verwendung für gemeindliche oder missionarische Zwecke ausdrücklich erlaubt
Lied: Die Liebe selbst – Glaubenszentrum Live / Outbreakband