Wo wohnt Gott?
Ob Kölner Dom, Dresdner Frauenkirche, das Ulmer Münster oder die Diedelsheimer Kirche.
Viele Menschen haben die Vorstellung, dass Gott in der Kirche wohnt. Man spricht ja manchmal auch von der Kirche als dem Haus Gottes. Aber da gehen die Probleme ja schon los. In welcher Kirche denn nun?
Schon im Alten Testament baute Salomo dem Herrn einen imposanten Tempel. Dieses Bauwerk sollte auf der einen Seite die irdische Wohnstätte Gottes unter Seinem Volk sein, auf der anderen Seite aber auch die Erhabenheit Gottes für die Menschen sichtbar machen.
Aber kann man Gottes Wohnort auf der Erde wirklich auf ein Gebäude reduzieren?
Schon Salomo kommen bei der Einweihung des Tempels im Jahr 951 v. Chr. Zweifel. Er betet: „Aber wohnt Gott wirklich auf der Erde? Siehe, die Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen; wie sollte es denn dieses Haus tun, das ich gebaut habe!“ (1. Kor. 8,27)
Und Paulus verkündet vor knapp 2000 Jahren den Athenern auf dem Areopag: „Der Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darin ist, er, der Herr des Himmels und der Erde ist, wohnt nicht in Tempeln, die von Händen gemacht sind.“ (Apg. 17,24)
Natürlich wohnt Gott, unser Vater, im Himmel. Und auch Gott, der Sohn, Jesus Christus befindet sich aktuell im Himmel. Wir bekennen ja auch im Glaubensbekenntnis zu Recht:
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Aber wo ist heute die irdische Wohnstätte Gottes bei den Menschen?
Gott lässt sich nicht durch von Menschen gemachte Gebäude begrenzen. Aber Er bleibt auch nicht unerreichbar fern in einem für uns (noch) unzugänglichen Bereich.
Jesus Christus ist Gottes leidenschaftliche Bewegung zu uns Menschen. Er steht vor der Tür eines jeglichen Lebenshauses, egal wie rissig, bruchstückhaft und unaufgeräumt es auch sein mag. Und Er klopft an.
„Wer die Tür öffnet, zu dem will ich einkehren und Wohnung bei ihm nehmen“ , sagt Jesus (Offbg. 3,20).
Wenn wir Christen sind, dann haben wir dem Herrn Jesus die Tür bereits aufgemacht und Er hat durch den Heiligen Geist in unserem Herzen Wohnung genommen. Aber diese Realität leben wir leider oft nicht.
Der 1. Korintherbrief stellt uns dazu eine kritische Frage: „Wisst ihr denn nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“, schreibt Paulus (1. Kor. 3,16).
Der Herr will nicht nur zu Besuch sein in deinem Leben. Er will in deinem Leben zuhause sein. Nicht nur ab und zu, vorzugsweise sonntags zu Besuch kommen. Er will einziehen bei dir und mit dir dauerhaft darin wohnen. Er will bleiben. Sich in deinem und durch dein Leben entfalten und mit Seinen großartigen Ideen dein Leben gestalten.
Aber was ist dann mit den Kirchen? Mit den Gebäuden? Wohnt Gott trotzdem darin?
Ja und Nein
Nein, wenn im Inneren alles zu toter Routine und Ritualen erstarrt ist. Auch vor der Kirche kann Jesus stehen und anklopfen und trotzdem draußen gelassen werden.
Ja, wenn sie mit gefüllt ist mit und durch Menschen, in denen der Geist Gottes wohnt. Die Kirche ist nicht ein Ort, in der Gott automatisch wohnt, sondern Gott wohnt in der Kirche durch Menschen, in deren Leben Er bereits wohnt.
Amen
Lied: Jesus in meinem Haus - Feiert Jesus
Video: Jesus in my house - Corona-Version mit Judy Bailey